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Künstler und ihre stillen Assistenten

von 21. November 2016 Keine Kommentare

So „mal(t)en“ manche großen Meister wirklich

Für Kenner der Kunstszene ist es eine völlig normale Tatsache, doch für viele Außenstehende klingt es oft überraschend: Die Werke vieler großer Künstler – alte sowie auch gegenwärtiger – sind häufig nicht nur ihrer eigenen Handwerksarbeit entsprungen. Im Gegenteil: Früher, genauso wie heutzutage beschäftigen Künstler eine Reihe von Gehilfen und Assistenten. Und zuweilen geht deren Mithilfe über die reine Assistenz weit hinaus.

Kunstwerkstätten als Arbeitsplatz für Assistenten

Viele große Meister der letzten Jahrhunderte besaßen eigene Werkstätten, in denen sie Gehilfen ausbildeten und gleichzeitig für sich arbeiten ließen. Damals lebten Künstler vor allem von Auftragsarbeiten. Um das Auftragspensum zu bewältigten waren Gehilfen einfach notwendig. Einer der bedeutendsten deutschen Renaissance-Künstler war Lucas Cranach der Ältere. Er beschäftigte in seiner Malerwerkstatt in Wittenberg neben seinem Sohn mehr als ein Dutzend Mitarbeiter. Über 5000 Werke werden ihm zugeschrieben, wobei ein großer Teil wahrscheinlich von seinen Assistenten gefertigt wurde. Cranach war als Hofmaler in Wittenberg tätig und prägte den unverwechselbaren „Cranach-Malstil“. Bei den Kunstarbeiten kam es deshalb nicht mehr so darauf an, ob die Werke von Cranach selbst gefertigt wurden, sondern vor allem auf den besonderen, standardisierten Stil.

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Von Leonardo Da Vinci bis Andy Warhol

Auch bei einigen Werken von Leonardo Da Vinci stammt nach heutigem Wissen nicht jeder Pinselstrich vom Künstler selbst. Da Vinci beschäftigte eine Reihe von Gehilfen für seine Arbeiten. Bisweilen ging es dabei sogar so weit, dass der Künstler selbst nur noch die Hauptfigur am Ende malte und seine Unterschrift unter das Werk setze – den Rest erledigten die Schüler.

Auch in der heutigen Zeit ist das oftmals nicht anders. Viele aufwändige Kunstinstallationen wären ohne die Arbeit von fleißigen Assistenten nicht möglich. Eine der berühmtesten Kunstfabriken moderner Zeit ist Andy Warhols „The Factory“. Damit wurden seine Kunststudios in New York bezeichnet, die in den 60er Jahren florierten und in denen zahlreiche Assistenten für ihn arbeiteten. Einige von ihnen wie Gerard Malanga erlangten selbst ein wenig Bekanntheit.

Viele zeitgenössische große Künstler wie Olafur Eliasson und Ai Weiwei arbeiten für ihre Projekte mit vielen verschiedenen Künstlern zum Beispiel Architekten, Filmemachern oder Designern zusammen. Oft haben sie ein festes Ensemble an Assistenten, die nur für sie arbeiten. Ohne diese fleißigen und stillen Helfer, wären ihre großen Kunstprojekte kaum möglich – doch den Ruhm ernten am Ende meist die Starkünstler.

Was haltet ihr eigentlich davon? Findet ihr das gerechtfertigt und legitim?

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