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Moderne Methoden für realistisches Malen – was denkt ihr darüber?

von 16. November 2016 8 Kommentare

Abzeichnen mit Projektor, Drucker und Co.

Viele Menschen sind total erstaunt und beeindruckt, wenn sie ein fotorealistisches Gemälde sehen – also ein Bild, das aussieht wie ein Foto, in Wahrheit aber gemalt wurde. Um ein Bild derart realistisch aussehen zu lassen gibt es viele verschiedene Methoden und Zugänge.

Dabei kommen auch immer wieder Methoden und „Tricks“ ins Spiel, die unter Hobby- und Profimalern durchaus kontrovers diskutiert werden. Dabei geht es um Fragen wie: „Ist Abzeichnen erlaubt und ist es beispielweise okay mit einem Projektor ein an die Wand geworfenes Bild abzupausen?“ Die Frage, die man sich grundsätzlich stellen sollte ist: Was ist das Ziel meiner Arbeit? Der eine möchte ein möglichst perfektes Gemälde anfertigen, dem anderen geht es darum, seine Techniken zu schulen. Das eine muss jedoch das andere natürlich auch nicht ausschließen.

So malten die alten Meister

Auch die alten Meister entwickelten ausgereifte Methoden um möglichst realistische Bilder anzufertigen. Große Künstler wie Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer malten große Gemälde nicht einfach aus der Hand heraus, sondern fertigten zuerst Studienzeichnungen von den Gegenständen oder Porträts an, von denen sie hinterher auf ihr Gemälde abmalten. Der Fokus lag bei diesen Studienzeichnungen und Skizzen auf der Untersuchung von Proportionen und Anatomie, um später Körper und Gegenstände noch realistischer darstellen zu können. Das Prinzip war jedoch immer zuerst eine Vorlage zu haben, von der man „abmalen“ konnte.

Einige Maler entwickelten aber auch raffinierte „Tricks“, wie zum Beispiel mithilfe des Siebdruckverfahrens Gemälde entstehen zu lassen. Diese Methode geht auf die Schablonentechnik zurück und wurde z.B. schon von Michelangelo benutzt. Auch moderne Künstler wie Andy Warhol arbeiteten mit dieser Technik. Albrecht Dürer benutze gleich mehrere verschiedene Methoden für seine Arbeit, beispielweise mit Fensterglas pausen. Dabei setzte er eine Glasscheibe so vor ein Motiv, dass er dieses einfach nur noch auf die Scheibe abzumalen brauchte. Diese Skizze konnte er dann wiederum auf Papier abpausen. Ein anderes Verfahren war die Raster-Technik, bei der ein Rahmen mit Fäden zu einem Raster gebildet wurde. Diesen Rahmen platzierte der Maler vor sein Motiv und zeichnete ebenfalls ein Raster auf seinen Malgrund. Nun konnte er sich beim Malen anhand des Rasters besser orientieren.

Mal-Methoden heute

Natürlich haben sich die Techniken im Laufe der Zeit immer weiter versbessert und sind moderner geworden. Viele zeitgenössische Künstler benutzen ausgeklüngelte Methoden, um ihre Gemälde realistischer oder gar fotorealistisch aussehen zu lassen. Dabei kommen allerlei Hilfsmittel zum Einsatz wie die Benutzung von Projektoren, bei der ein Bild an die Wand geworden wird und so auf den Malgrund abgemalt werden kann. Die Maler Gottfried Helnwein oder Franz Gertsch benutzen diese Technik, um ihre überdimensionalen hyperrealistischen Bilder anzufertigen. Andere wiederrum drucken sich eine Vorlage aus, von der sie dann abzeichnen können.

Was haltet ihr von diesen Verfahren? Welche Hilfsmittel benutzt ihr? Wir sind gespannt auf eure Meinung!

malen

Copyright Facebook @Gottfried Helnwein

Join the discussion 8 Kommentare

  • Tja, ich möchte ja wirklich gerne tolerant sein und jedem seine Tricks lassen. Aber ich muss zugeben, mich ärgert das, wenn jemand eine Vorlage beispielsweise per Projektor auf die Leinwand wirft, da drübermalt und dann den Eindruck erwecken will, das sei ohne Hilfsmittel gemacht. Gerade bei Portraits sieht man das immer mehr: Offensichtlich per Computer „kunstartig“ vorgeneriert, auf die Leinwand projiziert und einfach abgepinselt. Man sieht, dass das so gemacht wurde, es wird aber vom Betreffenden nicht erwähnt.
    Jo, mich ärgert das……

    • Dana sagt:

      Liebe Irene, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich sehe dass ähnlich wie Du. Es ist schade das manche nicht den Anspruch haben das selbst zu können. Und wie Du schon sagst erkennt man den Unterschied recht schnell vor allem wenn man selber Profi ist. Viele Grüße, Dana

  • Meiner bescheidenen Meinung nach sind derlei Hilfsmittel durchaus legitim. Wo ich die Grenze ziehe, ist, wenn jemand das Motiv ausdruckt und nur noch etwas drüber malt. Eine Gute Zeichnung oder ein gutes Bild hin zu bekommen, ist trotz der oben aufgeführten Methoden ausgesprochen knifflig. Nur weil jemand sich hinsetzt, um ein Foto „abzumalen“ heißt das noch lange nicht, dass er das auch hinbekommt. Ich durfte bei Ihnen einen Workshop besuchen, bei dem ich wahnsinnig viel gelernt habe, gerade auch „Sehen“, das immer die Grundlage ist. Es hilft kein Foto der Welt, wenn ich nicht über ein bestimmtes Können verfüge. Und gerade das lernt man wiederum auch durch „abmalen“, z.B. von Bargue Zeichnungen, was das Können und Sehen hervorragend schult. Wie gesagt, mit einer Vorlage oder Werkzeug alleine hat noch nie jemand was anständiges zustande gebracht. Da braucht es schon noch einiges mehr, und das fällt nicht einfach so vom Himmel.

  • marcello sagt:

    ich brauche auch zum teil den projektor oder auch ein lightpad,nur…..ich übertrage dabei nur die konturen,damit die proportionen stimmen.und dies auch nur skizzenhaft und schnell….die ausarbeitung geschieht ohne diese hilfsmittel.ich dachte auch zuerst dass ichs mir so zu einfach mache und das eh jeder kann…hab dann mal selbst einen kurzen kurs gegeben und die technik mit dem lightpad aufgezeigt.die meisten hatten genauso probleme mit der ausarbeitung…daher mein fazit:projektor etc. sind hilfsmittel,aber sie ersetzen nicht das können.

    • genau das meine ich auch. Das Hilfsmittel ersetzt nicht das Können. Mit einem Projektor kann man immer nur Linien übertragen. Daraus eine „Form“ zu gestalten und dem ganzen Leben einzuhauchen gelingt erst, wenn man „richtig“ zeichnen gelernt hat.

  • Die Arbeit mit Projektoren hab ich probiert, mag die Methode allerdings nicht. Ich bevorzuge die Arbeit nach „Referenzpunkten“, wie ich es an der Academy of Fine Art in Bad Homburg gelernt habe 🙂 Wenn ich nach einem Foto arbeite liegt es links neben meiner Zeichnung.

  • Man darf nicht vergessen, dass die Projektion oder das Pausen nur die Konturen und die richtige Perspektive vereinfachen. Alles andere ist noch reine Handarbeit.

  • Johann Gutkauf sagt:

    Hallo!
    Ich finde es nicht gut ein Bild mit Projektor oder sonstigen Tricks abzumalen. Jeder Künstler soll sein eigenes Gefühl in das Bild einbringen – das eigene SEHEN. Sonst ist es malen nach Zahlen.

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